Mittwoch, 12. September 2018

Die Sänger des Jihads

Naschids spielen in der Salafismus- und Jihadismus-Szene eine wichtige Rolle. Sie wirken sich wie andere Musikgenres in bestimmten Milieus vor allem psychologisch auf die Hörer aus. In Syrien prägten Naschids den Alltag der Jihadisten. Auch deutsche Kämpfer schrieben und sangen solche Lieder.

von Heiner Vogel

Tradition, Bewegung, Abgrenzung

Naschids gehören zum festen Bestandteil salafistischer und jihadistischer Propaganda. Es handelt sich bei ihnen um islamische Gesänge, die ohne instrumentale Begleitung auskommen (A Capella). Ihre Texte bestehen aus Gedichten und religiösen Rezitationen, die von einem oder mehreren Sängern vorgetragen werden.

Ursprünglich eine sufistische Tradition, begannen auch die konservativen Muslime und islamistischen Bewegungen wie die Muslimbrüder ab den 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts Naschids für die Verbreitung ihrer Botschaften zu nutzen. Im Laufe der letzten Jahrzehnte fungierten sie immer stärker als Medium zur Identifikation mit bestimmten politisch-religiösen Bewegungen. Sie nahmen damit auch integrative, kulturelle und soziale Funktionen ein, die in der Bewegungsforschung auch sozialen Bewegungen zugeschrieben werden (wenngleich umstritten bleibt, ob die restaurative Ausrichtung der Islamisten noch in das Raster sozialer Bewegungen fallen). Naschids transportieren zumindest religiöse und politische Frames, also interpretative Schemata, die bestimmte Deutungen der Welt anbieten.

Demonstration in Bonn (2012)
Auch wenn die Studienlage zur Bedeutung von Musik für soziale bzw. religiöse Bewegungen recht dünn ist, scheint es unzweifelhaft zu sein, dass sie ein wichtiges Bindeglied zwischen Subkultur und Bewegungen darstellt. Sie ist Ausdrucks-, Kommunikations- und Identifikationsmittel zugleich, in dem sie den Alltag der Bewegungen und bestimmte Ereignisse mitprägt. Während den Studenten- und Friedensbewegungen in den 1960er, 70er und 80er Jahren, fungierte beispielsweise die Beat-, Rock- und Folkmusik als Medium der Gesellschaftskritik und spiegelte gleichermaßen die Subkulturen von meist jungen Mainstream-Rebellen wider. Auch in der rechtsextremen Szene bzw. in rechtspopulistischen Gruppierungen der Gegenwart gilt der Rechtsrock und die damit verbundenen Underground-Festivals als großer Mobilisierungsfaktor.

In der salafistischen Szene nehmen Naschids eine ganz ähnliche Rolle ein. Durch den Verzicht auf instrumentale Begleitung, stellen solche Lieder für die islamistischen Anhängern eine Art Gegenkultur zur kapitalistischen Musikindustrie dar. Die Fundamentalisten begründen das Instrumenten-Verbot damit, dass die gängigen Mainstream-Lieder Sünde seien und von einem sittlichen Leben ablenken würden. Im Koran selbst, an dessen fundamentalen Auslegung sich die Salafisten orientieren, ist ein solches Verbot jedoch an keiner Stelle enthalten. Es gibt daher im islamischen Raum auch viele Naschids, in denen Trommeln, Flöten und andere Instrumente zum Einsatz kommen. Die Fundamentalisten sehen das anders.

Prediger Pierre Vogel
Der Prediger Pierre Vogel beschrieb vor Jahren in einem Seminar seine Einstellung zu dem Thema. Er habe einmal bei einem Aufenthalt in Marokko den Hip-Hop-Hit "Killing me softly with this Song" von den "Fugees" gehört. Der rhythmische Song habe bei ihm sofort Erinnerungen an sein früheres Leben wachgerufen und ihn zwei Wochen lang beschäftigt. "Das heißt, das ist wirklich eine Sache vom Satan, um die Leute durcheinander zu bringen.", so Vogel. Zwar bedeute dies nicht, dass diejenigen, die instrumental begleitete Musik hörten sofort zu Ungläubigen ("Kafir") erklärt werden sollten. "Aber es ist halt' einfach eine Sache, die dich vom Weg abbringt [...]".

Die Prominenz von Naschids in Deutschland stieg insbesondere ab den 2010er Jahren mit der gezielten Suche der Salafisten nach Anschluss in der Hip-Hop-Szene, weil sie in der jugendlich-migrantisch dominierten Subkultur einen potenziellen "Resonanzboden" für ihre religiöse Sekte sahen. So wurde mit dem Berliner Denis Cuspert ein Rapper rekrutiert, der später zum bekanntesten deutschsprachigen Naschid-Sänger sowohl in der Szene als auch im Jihad in Syrien avancierte. Auch um andere Musiker wie den Frankfurter Rapper Sadiq Zadran und den Düsseldorfer Farid Bang bemühten sich die Salafisten. Durch die Betonung kritischer Themenkomplexe in ihren Liedtexten wie der Palästina-Konflikt oder Unterdrückungsnarrative muslimischer Gesellschaften in Kombination mit gängigen islamischen Fahnenwörtern, wurden sie als potenzielle Brückenbauer zu den städtischen Milieus betrachtet.


Gleichermaßen boten die Islamisten mit den Naschids eine alternativ-identitäre Projektionsfläche an. Gilt Hip-Hop stilistisch als Ausdrucksmittel und Identifikationsmerkmal krimineller, migrantischer bzw. sozioökonomisch benachteiligter Jugendlicher in den deutschen Städten, wandten sich viele von ihnen auch den Naschids zu. Denn durch die zunehmende Kommerzialisierung und der wachsenden Beliebtheit "ihrer" Musik in den bürgerlichen und nicht-migrantischen Milieus in den letzten Jahren, wurde sie auch immer mehr zu einem Teil des Mainstreams.

Der Islam als einzige, in der Mehrheitsgesellschaft kaum anschlussfähige, sondern vor allem polarisierende Metapher, bot sich als individuelles und kollektives Abgrenzungsmittel geradezu an. Nicht mehr nur das Gangster-Epos mobilisierte die Gefühle dieser Zielgruppe, sondern nunmehr auch der reine Sprachgesang in Form von Gedichten, Koran-Rezitationen und Geschichten. Denn auch diese Musikrichtung bot ähnlich großen Spielraum für Provokationen wie der Hip-Hop.

Die dominierenden und daher paradigmatischen Erzählstränge der Naschids handeln von Allah, vom Leben des Propheten Mohammed, das Paradies und von der Rolle der Mutter, von Klagen und Anklagen, von Fremdheit, Entfremdung und Ungleichwertigkeit sowie vom Jihad. Die Einflüsse von Soul und Rap auf die Interpreten sind in westlichen Naschids hier und da rhythmisch und melodisch herauszuhören, was auch darin begründet liegen mag, dass die Sänger oder Autoren vorher selbst im Musikgeschäft tätig waren bzw. die "Musikproduzenten" gezielt Anschluss an die soziokulturelle Prägung der Zielgruppe suchen.


Naschids als Hymnen des Jihads

Neben der Dominanz von arabischen Sängern und Texten in der Naschid-Rezeption, wurden in den 2010er Jahren vor allem im militanten Lager der Salafisten auch deutschsprachige Lieder veröffentlicht und bei Versammlungen vorgetragen. Auf Islamseminaren des Predigernetzwerks "Dawa FFM" und der Solinger Extremistengruppe "Millatu Ibrahim", trat beispielsweise Denis Cuspert regelmäßig als Sänger auf, um die Seminarteilnehmer mit provokanten Versen einzustimmen. Seine Ständchen handelten von Muslimen im "Irak und Filistin (Palästina)", die "für Öl und Geld" getötet würden, über weinende Mütter, schreiende Kinder und: "Scharia, Somalia, la ilaha illallah." Auch die Prediger wie Abu Walaa sangen mit und vor ihren Anhängern, um die Gemeinschaft spirituell und emotional einzuschwören.

Laut Behnam Said, der zum Thema Naschids promovierte, unterscheiden sich deutsche und arabische Lieder jedoch qualitativ erheblich voneinander. Arabische Naschids folgten "bestimmten klassischen Mustern der Dichtung". Sie seien melancholischer, wogegen deutsche Naschids "amateurhaft" wirkten. Auch gegenüber Poeten in anderen europäischen Ländern wie Frankreich, wo die Rekrutierungsbasis der Salafisten wesentlich größer sei, würden deutsche Naschid-Sänger qualitativ nachstehen. Nichtsdestotrotz würden deutschsprachige Naschids bei der Jugend als authentisch wahrgenommen, so Said gegenüber dem Fachportal "Ufuq".

Nutzten Terrororganisationen wie al-Qaida und andere Jihad-Gruppen bereits in den 1990er und 2000er Jahren Naschids als Begleitmusik ihrer Videos und Audiobotschaften (u.a. auch die Bonner Brüder Yassin und Mounir Chouka), professionalisierten die Jihadisten in Syrien ab 2012 die Produktion und Verbreitung solcher Lieder in Studioqualität. Vor allem der "Islamische Staat" (IS) veröffentlichte unter den Labels wie "Ajnad Media Foundation" und "al-Hayat" bis heute hunderte Naschids in dutzenden Sprachen. Diese variieren zwischen melancholischen, meist langsamen Gesängen und Erzählsträngen über "Märtyrer" (shahid), das Paradies und das Kalifat bis hin zu aggressiven und von starken Stimm-Bässen begleitete Gewalttexte, die an die "Ungläubigen" adressiert sind bzw. an den Zusammenhalt der Gemeinschaft und die eigene Stärke appellieren.

IS-Naschid-Sänger Maher Mashaal/Abdul Kerim al-Tunisi (links)
Vor allem die arabischen IS-Lieder wurden nach kommerziellen Maßstäben zu regelrechten Hits weit über Syrien hinaus. Naschids wie "Saleel Sawarim" ("Klirren der Schwerter"), "Ummati Qad Laha Fajrun" ("Meine Ummah, die Dämmerung ist angebrochen") oder "Halomo, Halomo" ("Komm', komm'") wurden in sozialen Medien nicht nur von Militanten, sondern auch von Jugendlichen und Neugierigen hunderttausendfach gehört. Ihre Sänger, häufig charismatische Persönlichkeiten wie der Saudi Maher Mashaal alias "Abu Zubair al-Jazrawi" sowie die Tunesier "Abdul Kerim al-Tunisi" und "Abu Ahmad al-Tunisi", traten auch bei öffentlichen Versammlungen und vor Kämpfern auf, um als Unterhalter und Motivatoren zu fungieren. Maher Mashaal, ein Munschid aus der saudischen Haupstadt Riyad, war bereits im nationalen Fernsehen mit Naschids aufgetreten, bevor er in den IS reiste. Die drei erlangten den Heldenstatus nicht nur für ihre einprägsamen Lieder, sondern auch, weil sie sich als Kämpfer selbst an den Schlachten des IS beteiligten oder sich als Selbstmordattentäter in die Luft sprengten.

Die Naschid-Produktion für den IS wurde vor allem in der Frühphase des Kalifats auch von Deutschen wie Denis Cuspert maßgeblich beeinflusst. Die ersten Naschids, die durch die Terrororganisation visuell aufwendig aufbereitet wurden, stammen aus Cusperts Federn. Erst für den Kanal "al-Tibyan", der von ihm selbst gegründet worden war ("Gegen die ungläubigen Heuchler und den saudischen Palast", "Wir fürchten nur Allah", "Für Allah und Sein' Gesandten"), dann für die große und bekannte IS-Plattform "al-Hayat" ("Haya al-Jihad"), lieferte er die "Soundtracks" für solche Propagandavideos, die von drastischen Gewaltdarstellungen geprägt waren.

Dass Cuspert weltweit Bekanntheit erlangte und auch trotz der sprachlichen Barrieren von vielen Militanten gehört wurde macht deutlich, wie effektiv die stilistische Transformation vom Ghetto-Gangster zum islamistisch-jihadistischen Rambo-Image bei der (westlichen) Zielgruppe ankam. Umso mehr achtete der IS offenkundig darauf, weitere ehemalige Rapper in die Propaganda mit einzubinden. Darunter waren der Tunesier Marouen Douiri alias "Emino", der Brite Abdel-Majed Abdel Bary alias "L Jinn" und der Australier Neil Prakash.

IS-Veranstaltung mit Naschid-Gesang/links: der Frankfurter Kreshnik B.
Für das Alltagsleben waren Naschids für die IS-Kämpfer von großer Bedeutung. Ob im IS-eigenen Radio "al-Bayan" oder in den täglich veröffentlichten Propagandavideos, ob in Straßen-Cafes, Einkaufsläden oder im "Ribat" ("Kampffront"): Überall berieselten die Sprachgesänge die Kalifatsanhänger, die permanent bei Laune gehalten werden mussten. Auch diejenigen, die nicht ins Rampenlicht des Kalifats gestellt wurden, betätigten sich als Hymnensänger des Jihads. In kleinen Gruppen sangen sie gemeinsam Lieder, übersetzten sie oder schufen neue oder eigene Interpretationen. So erwies sich der Naschid als soziales, Gruppenbezogenes Bindemittel unter den Kämpfern. Auch die vielen jungen Kinder der "Muhajirun" ("Auswanderer") wurden in den Koranschulen oder auch in ihren Familien permanent damit konfrontiert. Einige wurden selbst als Naschid-Sänger ausgebildet und für die Propaganda instrumentalisiert.

Naschids deutscher IS-Kämpfer

Unter den deutschen Jihadisten gab es demzufolge neben Denis Cuspert viele andere, die quasi die Rolle der Underground-Sänger in ihren eigenen Gruppen ausübten. Das Ergebnis ihrer in Handymikrofone eingesungenen oder in Videos dokumentierten Kreativleistungen wurde zum Teil in privaten Chatgruppen oder auch in öffentlich einsehbaren sozialen Netzwerken veröffentlicht. Der Solinger Silvio Koblitz alias "Abu Azzam al-Almani" und der Leverkusener Ex-Rapper Mario Sciannimanica alias "Abu Zubayr al-Almani" gehörten insbesondere 2014 zu denjenigen, die ihre Lieder im Internet veröffentlichten und damit beachtliche Aufmerksamkeit erhielten.

Deutsche Naschid-Sänger: Silvio Koblitz (Mitte)/ Mario Sciannimanica (rechts)
Weitere, bislang unter keinem offiziellen Label veröffentlichte Audioaufnahmen zeigen, wie sich auch andere deutsche Jihadisten als Naschid-Sänger versuchten. Darunter ist der ehemalige Fußballspieler Burak Karan alias "Abu Abdullah at-Turki". Karan spielte zwischen 2003 und 2008 bei namhaften Bundesligavereinen und beendete mit nur 20 Jahren seine Fußballkarriere. Er radikalisierte sich in den Folgejahren und soll ab 2011 auch Kontakte zum Solinger Verein "Millatu Ibrahim" unterhalten haben. 2013 reiste er nach Syrien und kämpfte dort bis zu seinem Tod im gleichen Jahr für den IS.

IS-Kämpfer Burak Karan

Dass Karan, dessen Familie seine Beteiligung am Jihad vehement bestritt, auch als Sänger auftrat, war bislang öffentlich kaum bekannt. Zwei Naschids des gebürtigen Wuppertalers liegen dem Blog vor. In einem der beiden Lieder mit dem Titel "Frohe Botschaft an die Ummah", singt der damals 26-Jährige offenkundig in Anwesenheit anderer deutscher Kämpfer folgende martialische Zeilen:
Naschid von Burak Karan (transkribiert): "Frohe Botschaft an die Ummah"
Interessant sind bei Karans Gedicht nicht nur die typischen Frames, die durch IS-Naschids transportiert werden (das Paradies, Kampf und Gewalt, die Mutter und das Kalifat), sondern auch die Art und Weise des Vortrags. Die anwesenden Kameraden wiederholen den letzten Vers jeder Strophe im Chor. Das Gelächter im Hintergrund suggeriert eine gelöste Atmosphäre unter den Anwesenden.

Ein weiterer Naschid mit dem Titel "In Jannah bei Allah", der ebenfalls über nicht-öffentliche Kanäle verbreitet wurde, stammt wahrscheinlich vom Mönchengladbacher Jihadisten Mustafa C. alias "Abu Qatada". Er reiste im März 2013 nach Syrien und schloss sich bei Aleppo einer Untergruppe der Extremistenarmee "Jaish al-Muhajireen wal-Ansar" (Jamwa) an, der sog. "Muhajirun Halab". Dort sollen viele andere deutsche Kämpfer ihre Jihad-Karriere begonnen und sich später dem IS angeschlossen haben. C. kehrte im September 2014 nach Deutschland zurück und wurde 2016 vom Oberlandesgericht Düsseldorf wegen Mitgliedschaft einer terrororistischen Vereinigung und Propagandaaktivitäten zu mehr als sechs Jahren Haft verurteilt. 

Mustafa C. ist während der Entstehungsphase der Audio ebenfalls nicht allein. Es sind Stimmen im Hintergrund zu vernehmen, unter anderem auch die von Burak Karan, der auf die "Allahu Akhbar"-Rufe am Ende von C.'s Naschid-Vortrag mit "Wa Lillahil Hamd" ("Und alles Lob gebührt Allah") antwortet, was darauf hindeuten könnte, dass das Treffen der Deutschen im Oktober 2013 stattfand. Auch dieser, deutlich kürzere Naschid, greift die grundsätzlichen Kernbotschaften der Jihadisten auf: Allah, der Kampf, die Mutter und das Paradies. 
Naschid von Mustafa C. (transkribiert): "In Jannah bei Allah"

Dass die Deutschen auch ihre Kinder mit Naschids zu erziehen versuchten, zeigt eine weitere bislang unbekannte Audio. Darin zu hören ist die Stimme des Bonner Kämpfers Farid Saal alias "Abu Luqman al-Almani", der vor einigen Monaten von kurdischen Milizen gefangen genommen wurde. Unter dem Titel "Kinderspass" singt Saal gemeinsam mit einem Kind über die "Murji'ah", einem polemischen Begriff unter Salafisten und Jihadisten für andere Muslime, die ihrer Ansicht nach nicht ausreichend für die Durchsetzung der Scharia eintreten. 

Es ist ein kurzes Lied mit simplen Versen, das auch ein Kind verstehen und rezitieren kann. Umso mehr kann man die Ansicht vertreten, dass militante Naschids auch Kinder maßgeblich beeinflussen können. Saals Kurzeinlage ähnelt damit einem anderen, bewusst vereinfachten und persiflierenden Naschid von Denis Cuspert, der das Kinder-Weihnachtslied "Lasst uns froh und munter sein" in einen Jihad-Kontext einbettete. "Lasst uns froh und munter sein und uns recht vom Herzen freuen: La ilaha illallah, heut' sind die Jihadisten wieder da, heut' sind die Jihadisten wieder da.", sang dieser vor Jahren zur Belustigung seiner Kameraden. 
Naschid von Fared Saal (transkribiert): "Kinderspass"
 Naschids nehmen also wie in der Rap-Szene soziale Bindungsfunktionen in salafistischen und jihadistischen Bewegungen ein. Sie schaffen eine vorgebliche Gruppenidentität. Schon Arid Uka, der 2011 am Frankfurter Flughafen zwei US-Amerikaner erschoss, soll sich vor seiner Tat zur eigenen Festigung exzessiv Naschids von Denis Cuspert und Mounir Chouka angehört haben. Die Lieder wirken sich also auch psychologisch aus, indem sie zum Nachdenken anregen und motivieren sollen. Abgrenzungsnarrative werden durch ständige Wiederholungen im Alltag verinnerlicht. Sie bieten jedoch auch Raum für Kreativität und individuelle bzw. kollektive Selbstinszenierungen und Rituale.