Sonntag, 3. September 2017

Dortmunder stirbt in Syrien

Der Dortmunder Christian Lappe reiste 2015 nach Syrien, um sich der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) anzuschließen. Anfang August soll er im Südosten des Landes bei Kämpfen getötet worden sein.

Der Dortmunder IS-Kämpfer Christian Lappe ist nach Informationen von "Erasmus Monitor" in Syrien ums Leben gekommen. Der 29-Jährige starb bereits am 9. August bei schweren Gefechten zwischen dem IS und syrischen Regimetruppen südöstlich der Stadt al-Suknah. Der Deutsche wurde inzwischen auf Bildern und in Videos der libanesischen Hisbollah-Miliz identifiziert, die auch dem Blog vorliegen.

1987 im westfälischen Hamm geboren, besuchte Lappe zunächst eine Dortmunder Realschule. Er galt als normaler Teenager. Er zockte Computer-Spiele, spielte leidenschaftlich Fußball und reiste in den Sommermonaten öfters zum Surfen nach Spanien und Italien. Im Winter ging er mit Freunden Snowboard-Fahren in Ischgl. An seiner Schule war er Schülersprecher, er galt als belesen und intelligent. Doch eine schwere Krankheit seit 2009 bremste sein bis dahin unbeschwertes Leben nach und nach aus. Eine Notoperation rettete ihm schließlich das Leben. Die Krankheit war auch die Ursache dafür, dass der junge Mann sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens machte. In der Folge konvertierte Lappe 2012 dann zum Islam und verhielt sich zunächst unauffällig. Er machte seinen Realschulabschluss im Jahr 2013.

Anschließend versuchte er das Abitur an einer Fernuniversität nachzuholen und schlug sich mit Nebenjobs durch. Er wollte später Psychologie studieren und mit Kindern arbeiten. Doch 2014 lernte er die damals erst 16-jährige Yasmina E. M. kennen und heiratete sie. Das aus Marokko stammende Mädchen wuchs in schwierigen Verhältnissen auf und brachte ihren Ehemann wohl recht schnell in Berührung mit dem radikalen Gedankengut der Salafisten-Szene. Das Gymnasium brach Lappe 2015 ab.

Lappe hielt sich bis zu seiner Ausreise im Umfeld radikaler Prediger auf, beteiligte sich auch an der Koranverteilungsaktion "Lies!". Er besuchte einschlägig bekannte Moscheen in Dortmund, Frankfurt und Dinslaken und lernte eine Vielzahl bekannter Personen des deutschen IS-Netzwerks kennen, darunter auch in Hildesheim. Schließlich reiste er gemeinsam mit seiner Ehefrau am 8. August 2015 trotz polizeilicher Überwachungsmaßnahmen über den Balkan und die Türkei nach Syrien aus und schloss sich dort dem IS an. Er lernte dort auch viele bekannte deutsche Kämpfer kennen, darunter Mohamed Mahmoud und Denis Cuspert.

Ende letzten Jahres sorgte der Dortmunder schließlich mit einem Propagandavideo für Aufsehen. In dem 8-minütigen Film rief er als "Abu Issa al-Almani" zum Jihad und zu Anschlägen in westlichen Ländern auf. Auch ließ er sich bei öffentlichen Auspeitschungen und Amputationen des IS mutmaßlich in Abu Kamal filmen. Es ist davon auszugehen, dass er sich an weiteren Gräueltaten wie Exekutionen beteiligte. Nach der Belagerung von Raqqa zog er sich wie viele andere Deutsche in die Kleinstadt Mayadin in der syrischen Provinz Deir Ezzor zurück. 

Lappe, der zum Islam konvertierte, weil er das Leid in der Welt nicht verstand und den Frieden anfangs im Islam zu finden glaubte, verbreitete schließlich selbst Leid und Schrecken. Seinen letzten Kampf für die brutale Terrororganisation verlor er schließlich im Nirgendwo der syrischen Steppe.