Sonntag, 14. August 2016

Erhan A.: Tod in Syrien

Der Allgäuer Erhan A. ist offenbar tot. Mitstreiter veröffentlichten am gestrigen Abend ein Bild des 24-jährigen. Der Deutsch-Türke, der in Kempten aufwuchs, starb vor zwei Tagen bei Gefechten mit der syrischen Armee.

Von Heiner Vogel

Der aus Bayern stammende Erhan A. ist tot. Das verkündeten mehrere Islamisten am gestrigen Samstag. Ein Bild zeigt zudem den leblosen Körper des 24-Jährigen. Nach Informationen von "Erasmus Monitor" starb Erhan A. bei heftigen Gefechten zwischen der syrischen Armee und Jihadisten-Gruppen. Wo genau A. starb ist derzeit noch strittig. Einige geben Aleppo als Ort an, andere behaupten, A. sei nahe Kinsabba in der syrischen Provinz Latakia getötet worden. Demnach traf ein Bomben-Schrapnell A. am Kopf. Laut einer Mitteilung auf dem Telegram-Kanal "Hijra Sham" sei A. im "Ribat" (Front) "in der Erfüllung seiner islamischen Pflicht [...] Shahid geworden." Einer "schlimmen Hautkrankheit" zum Trotz habe A. sich zuvor an den Kämpfen im Süden Aleppos beteiligt. 

Erhan A. reiste Mitte Mai 2015 gemeinsam mit einem weiteren Kameraden aus Bayern nach Syrien. Zuvor war er von der bayrischen Landesregierung wegen seiner Tätigkeiten als islamistischer Provokatuer und IS-Anhänger in die Türkei abgeschoben worden. Dort lebte er einige Wochen und sagte sich von der irakischen Terrorgruppe los. In Syrien schloss sich A. dem al-Qaida Ableger "Jabhat al-Nusra" an und durchlief eine militärische Ausbildung. Er arbeitete anschließend als Wachposten, Rekruter für ausreisewillige Deutsche und beteiligte sich auch an Kämpfen mit der syrischen Armee in Idlib und Aleppo.

In langen Unterhaltungen mit "Erasmus Monitor" gab Erhan A. Details zu seinem Leben als Jihadist preis (EM berichtete damals). Öffentlich propagierte er zwar ein nahezu sorgenfreies Leben in Syrien. Doch auch die Realität - tägliche Bombenangriffe, Verbrechen von verbündeten Rebellengruppen und Niederlagen - ließ er nicht aus. Als sich "Jabhat al-Nusra" zu "Jabhat Fateh al-Sham" unbenannte, sagte er: "Eigentlich ändert sich nichts für uns, denn wir haben immer noch den selben Manhaj (Weg) und ändern nicht unsere Absichten und Ziele. Wir kämpfen für Allah und nicht al-Qaida." Die Bombardements der Russen und Amerikaner hätten aber mittlerweile zugenommen. "Jetzt können Sie sehen das wir nicht aufgrund der Organisation gebombt werden, sondern wegen unseren Zielen einen (echten) islamischen Staat zu gründen."

Erhan A. galt in den vergangenen Jahren als aggressiver Propagandist des bewaffneten Jihads in Syrien. Er pflegte zahlreiche Kontakte zu mittlerweile getöteten deutschen Kämpfern, darunter David G. aus Kempten und der Mannheimer Usman A. Nach einem Interview mit der "SZ" sorgte er mit seinen extremen Äußerungen zum Islam für öffentliche Empörung in Bayern. Die Folge war die Abschiebung in die Türkei.