Montag, 6. Juni 2016

Degradiert vom Kalifen



Der Ex-Berliner Reda Seyam soll als Bildungsminister des sog. "Islamischen Staates" (IS) abgesetzt worden sein. Das berichteten irakische Medien bereits Ende 2015. Die Maßnahme weist auf wachsende Spannungen innerhalb der Führungsriege des IS hin.

Von Heiner Vogel

Reda Seyam soll nicht mehr Bildungsminister des IS sein. Das berichtete die irakische Nachrichtenseite "Al Wasat" bereits Ende letzten Jahres. Laut einem anonymen Informanten soll Kalif und Chef des IS, Abu Bakr al-Baghdadi, Seyam den Posten als Bildungsminister entzogen haben. 

Der Grund dafür: Aus den Geldhäusern des IS (auch "Bayt al-mal" genannt ) sollen mehrere Millionen US-Dollar spurlos verschwunden sein. Seyam, der im IS als "Zulqarnain" bzw. "Dhū l-Qarnain" bekannt ist, soll vom Kalifen dafür verantwortlich gemacht worden sein.

Laut "Al Wasat" herrscht  in der irakischen Provinz Ninawa seit Monaten ein großes Chaos. Zunehmende Korruption und Desertierungen führender Mitglieder des IS machten der Organisation immer mehr zu schaffen. Gleichzeitig rücken kurdische und irakische Streitkräfte weiter auf die Provinzhauptstadt Mossul vor. 

Seyam galt als einer der einflussreichsten Ideologen und Propagandisten in der deutschen Salafisten-Szene. Ihm wurden in der Vergangenheit Kontakte in die weltweite Jihadisten-Szene nachgesagt, unter anderem auch zum früheren al-Qaida-Chef Osama Bin Laden. Im Bosnien-Krieg unterstützte er die "Mujahideen" gegen die serbische Armee. Amerikanische und deutsche Sicherheitsdienste warfen ihm ebenso die Verwicklung beim Bombenattentat auf Bali im Jahr 2002 vor. Damals starben 202 Menschen, die meisten von ihnen waren westliche Touristen.

Lange Zeit lebte Seyam unbehelligt in Berlin und bezog Sozialhilfe. 2012 bzw. 2013 setzte er sich nach Syrien ab und schloss sich in der Folge dem IS an. Dort stieg er als erfahrener al-Qaida-Mann schnell in der Hierarchie auf (mehr dazu hier).