Mittwoch, 9. September 2015

"Dabiq"-Magazin: Porträt eines deutschen IS-Kämpfers

Die Propaganda-Abteilung des Islamischen Staates (IS) hat eine neue Ausgabe des "Dabiq"-Magazin herausgebracht. In jeder bisher veröffentlichten Version wurden IS-Kämpfer aus unterschiedlichen Ländern porträtiert. Auch Deutsche, darunter die Zwillinge Kevin und Mark K. aus Castrop-Rauxel, waren darin als "Märtyrer" gefeiert worden. Nun hat erneut ein Deutscher einen prominenten Platz in dem Propagandaheft erhalten. Sein Name: Abu Jafar al-Almani. Nach Informationen von "Erasmus Monitor" handelt es sich dabei um den Dinslakener Hassan D.

""Abu Jafar" war sehr beliebt unter den Brüdern. Er war stets freundlich und hilfsbereit, hatte immer ein Lächeln für seine Brüder übrig.": Mit diesem Satz wird der deutsche Kämpfer "Abu Jafar al-Almani" in der neuen Ausgabe des "Dabiq"-Magazins vorgestellt. Bilder in dem Artikel zeigen einen breitschultrigen Mann mit langen braunen Haaren.

Dinslakener Hassan D.
Auf einem Foto schreitet er in prophetischer Haltung an Pferden vorüber. Eine andere Aufnahme zeigt ihn lächelnd auf einer staubigen Straße mit einem Gewehr über der Schulter. Auf einem dritten Bild posiert er mit einem anderen Mann auf einer Treppe eines Hauseingangs für die Kamera.

Nach Informationen von "Erasmus Monitor" handelt es sich bei dem Mann um den Dinslakener Hassan D., der im Januar dieses Jahres bei Kämpfen um die kurdische Stadt Kobane durch einen US-Luftschlag getötet wurde. Auch der Mann neben ihm ist kein Unbekannter: Mustafa K. erlangte im Februar 2014 traurige Berühmtheit, als Fotos von ihm im Internet kursierten, die ihn mit abgeschlagenen Köpfen in der syrischen Grenzstadt Azaz zeigten. Auch er starb Ende letzten Jahres.

Hassan und Mustafa waren langjährige Freunde, gehörten beide der sogenannten "Lohberger Gruppe" aus Dinslaken an, deren Mitglieder sich in mehreren Ausreisewellen dem Djihad in Syrien angeschlossen hatten. Viele der damals Mitgereisten, darunter auch Marcel L. und Philip B., starben in Syrien und Irak.

Im Artikel von "Dabiq" wird berichtet, dass "Abu Jafar" in einem kriminellen und korrupten Milieu aufwuchs. Als gebürtiger Muslim soll er sich intensiv mit bekannten Djihadisten aus dem Kaukasus wie Ibn al-Chattab beschäftigt haben. "Als Jugendlicher war er bei der Dawa von Nachbarskindern sehr aktiv und machte schon in jungen Jahren seine Hajj (Reise nach Mekka) [...]". Deswegen soll er auch den Spitznamen "Hajj" von seinem Umfeld erhalten haben.

Laut "Dabiq" sei D. während seines Maschinenbaustudiums aufgrund der Unterdrückung der Sunniten durch die Alawiten in Syrien tief erschüttert gewesen, sodass er sein Studium abbrach und dorthin reiste. Vor Ort soll er sich wie seine Kameraden Mustafa K. und Marcel L. vor der Ausrufung des IS der Rebellengruppe "Majlis Shura al-Mujahidin" angeschlossen haben. Die Gruppe operierte zwischen 2012 und 2014 vor allem im Raum Aleppo und wurde durch die Brüder und al-Qaeda-Veteranen Firas und Amr al-Absi angeführt. Beide waren neben Jabhat al Nusra-Anführer al-Jolani Abgesandte von IS-Anführer Abu Bakr al Baghdadi in Syrien.

Hassan D. hatte sich laut dem IS-Magazin als Mitglied dieser Gruppe an den Kämpfen gegen die syrische Armee in den westlich von Aleppo gelegenen Städten Khan Thuman, Layramoon und Kafr Hamra beteiligt. In Ard Bayn as Sikak, im Süden der ehemaligen Wirtschaftsmetropole, soll D. schließlich einem deutschen Kampfgefährten namens "Abu Zakariyya" das Leben gerettet haben.

Im Januar 2014 habe sich D. schließlich wie auch die al-Absi-Gruppe dem IS offiziell angeschlossen und sich an den Kämpfen gegen die Rebellengruppe von Khaled Hayani im Aleppiner Vorort Haritan beteiligt. Die Gruppe verbreitete dort wie der IS mit ihren Entführungen, Diebstählen und Exekutionen lange Zeit Angst und Schrecken in der Bevölkerung.

Schließlich kämpften die Dinslakener auch in der nordsyrischen Grenzstadt Azaz. In dieser Zeit enstanden wohl die grausamen Aufnahmen von Mustafa K.. Von Azaz soll sich D. laut "Dabiq" weiter nach al-Bab durchgekämpft haben. Heute ist die Stadt eine Hochburg des IS, in deren Umkreis sich nach wie vor zahlreiche deutsche Kämpfer aufhalten.

Über Raqqa und Deir Ezzor kam Hassan D. schließlich nach Kobane. Dort soll er zunächst bei Kämpfen gegen die YPG in einem Haus verschüttet, einige Tage später dann durch einen US-Luftangriff getötet worden sein.

Der Totenkult um getötete IS-Kämpfer ist ein wichtiger Faktor in der IS-Propaganda. Besonders die charismatischen Persönlichkeiten werden als Helden inszeniert, ihr Lebensweg als geradlinig und besonders fromm verklärt. Sowohl Kämpfern als auch potenziellen Rekruten soll damit das Gefühl der Einzigartigkeit vermittelt werden. Die Bereitschaft, den selben aufopfernden Weg ihrer "Helden" zu gehen, soll damit verstärkt werden.