Dienstag, 10. März 2015

Belkaid-Organisation "Medizin mit Herz": Rettungswagen für Al-Qaida?



Syrische Extremistengruppen benutzen Krankenwagen, die von deutschen Spendenorganisationen in das Bürgerkriegsland gebracht wurden. Dies legen zumindest Bildaufnahmen nahe, die von al-Qaida-Kämpfern in sozialen Netzwerken veröffentlicht wurden.

Abtransport getöteter Kämpfer nach Luftschlägen in Atmeh/Idlib
Die von deutschen Salafisten aus dem Rhein-Main-Gebiet betriebene Spendenorganisation "Medizin mit Herz" müsste spätestens jetzt in akute Erklärungsnot geraten. Wie Bildaufnahmen belegen, gelangte mindestens ein deutscher Krankenwagen in die Hände der mit al-Qaida verbündeten Terrorgruppe Jabhat al Nusra. Zahlreiche Unterstützer der Gruppe veröffentlichten ein Bild mit einem deutschen Krankenwagen, auf dessen Kofferraumtür unverkennbar die Werbeparolen von "Medizin ohne Grenzen" zu lesen sind. Der Verein, der vom Verfassungsschutz beobachtet wird und dessen Name Anfang dieses Jahres in "Medizin mit Herz" unbenannt wurde, kommt aus dem Dunstkreis der Frankfurter Brüder Mohamed und Brahim Belkaid, letzterer auch bekannt als Abu Abdullah.
Als Beleg dafür, dass der Krankenwagen an Jabhat al Nusra geliefert wurde, gilt die Primärquelle Wahid Rajul. 

Turkmene Wahid Rajul
Der turkmenische Nusra-Kämpfer Rajul, der aus der syrischen Kleinstadt Atmeh im Norden der Provinz Idlibs kommt und auf Twitter über sein Leben als Kämpfer berichtet, dokumentierte neben dem deutschen Fahrzeug offenbar auch dessen Verwendungszweck. So zeigen weitere Bilder, wie Kämpfer ihre durch mehrere Luftangriffe verletzten und getöteten Kameraden aus den Trümmern von Häusern bergen und diese abtransportieren. Die Bomben seien nur 500 Meter weit entfernt von seinem Haus niedergegangen, so Rajul. Auch wenn im Umkreis von Atmeh ein Flüchtlingslager liegt, handelte es sich bei den Toten und Verletzten nicht um Zivilisten, sondern um Kämpfer aus dem Kreise der Terrorgruppe. (Nachtrag: Wie McClatchy berichtete, soll auch ein 15-Jähriger Junge bei Arbeiten im Hauptquartier der Nusra Front durch die Bombardierung getötet worden sein).

Moment der Luftschläge nahe Atmeh/Idlib
Auslöser für die Rettungsaktion waren offenbar gezielte Luftschläge auf die Nusra Front in Atmeh, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur türkischen Grenzstadt Reyhanli liegt. Möglicherweise sollten Kommandeure der Gruppe getroffen werden. Vor einigen Tagen waren bereits in der Nusra-Hochburg Salqin mehrere hochrangige al-Qaida-Anführer getötet worden, darunter auch Abu Hamam al Suri. Während die Nusra Front und andere Rebellengruppen die US-geführte Koalition und damit auch die Türkei verantwortlich machten, übernahm nach Aussagen mehrerer syrischer und libanesischer Journalisten die Assad-Regierung die Verantwortung für die Luftangriffe.
Dennoch scheint es wahrscheinlich zu sein, dass die USA hinter den Angriffen stecken, da Tage zuvor die von ihnen unterstützte Rebellengruppe Harakat Hazzm in Aleppo und Idlib von den Islamistengruppen vernichtend geschlagen wurde und zahlreiche Waffendepots mit US-Waffen in die Hände von Jabhat al Nusra und Ahrar al-Sham fielen. Die syrische Luftwaffe traut sich nach dem Abschuss mehrerer Kampfflugzeuge durch die gegnerische Türkei ohnehin kaum noch an die gemeinsame Grenze.

Überraschenderweise schloss die Türkei zur gleichen Zeit, als vermutlich Drohnen in Atmeh zuschlugen, die Grenzübergänge Bab al Hawa und Bab el Salameh. So berichtet es zumindest der syrische "Middle East Eye"-Journalist Edward Dark aus Aleppo. Ob die Entwicklungen tatsächlich mit den Luftschlägen in Atmeh in Verbindung standen oder vielmehr mit der großen Gegenoffensive von Jabhat al Nusra gegen syrische Regimetruppen in Aleppo, bleibt unklar. Die beiden Zugänge zur Türkei sind jedoch überlebenswichtig für die syrischen Rebellen, die ihre Verletzten - so auch mit den Rettungswagen von "Medizin mit Herz" - in Krankenhäuser in Reyhanli und anderen Einrichtungen in der Provinz Hatay fahren.

Mohamed (l.) und Brahim Belkaid
Wie die von deutschen Spendengeldern finanzierten Krankenwagen in die Hände von Jabhat al Nusra gelangen konnten, bleibt ebenfalls unklar. Wie jedoch bereits berichtet wurde, legen zahlreiche Indizien nahe, dass die deutschen Salafisten aus Frankfurt gezielt Hilfsmittel im Herrschaftsgebiet von al-Qaida und Ahrar al-Sham verteilen um diese zu stärken. Die Kontaktpersonen der Belkaids in der Provinz Idlib betreiben mit den deutschen Spenden bis heute islamistische Propaganda und hetzen gegen die "Nusaryi" (abwertend konnotierter Begriff für Alawiten), Yeziden und Schiiten. Auch sichern sich die Islamisten mit den Spenden die Unterstützung der Zivilbevölkerung und können so auch leichter neue Kämpfer aus den Flüchtlingslagern an der Grenze zur Türkei rekrutieren.

Genauso wie "Medizin mit Herz" lieferten bisher auch die bundesweit größte salafistische Hilfsorganisation "Ansaar International" von Joel Kayser alias Abdurahman, "Helfen in Not" sowie der wegen Terrorunterstützung mittlerweile inhaftierte Mirza Tamoor Baig alias Timur Spenden in erheblichem Ausmaß an die gleichen Kontaktleute in Idlib. Die in der salafistischen Szene stark verbreitete Tendenz, radikal-islamistische Gruppen zu verharmlosen und im Gegensatz zur ISIS als "wahre syrische Mujahedin" darzustellen, ist nicht zuletzt ein Eingeständnis dafür, trotz der verhängten Sanktionen von UN und den USA gegen Jabhat al Nusra genau diese zu unterstützen.