Montag, 9. Februar 2015

Katzenjammer beim IS: Zwischen Brutalität und Zärtlichkeit






ISIS-Kämpfer haben in der Regel keine Scheu ihre extreme Brutalität medial zu inszenieren: Sie schneiden ihren Gegnern die Köpfe oder Hände ab, sie schießen ihnen in den Kopf, sie werfen sie von Hausdächern in den Abgrund oder – so zeigt das letzte Video mit dem jordanischen Piloten Muas al-Kasasba – sie verbrennen sie auch bei lebendigem Leib. Von den „ISIS-Bestien“ schrieb die Bild-Zeitung. Dabei scheint es offenbar Geschöpfe zu geben, die das Mitleid, die Zuneigung und den Humor bei den Terroristen wecken können. Vor allem Katzen haben es den rauen Gesellen angetan. 

In den sozialen Netzwerken teilen zahlreiche Kämpfer Bilder, auf denen sie mit Katzen zärtlich schmusen, sie kurzerhand zu kleinen Kämpfern stilisieren oder sie als „intelligente“ Wesen zeigen, die vermeintlich zwischen Freund und Feind selbst zu unterscheiden wissen. „Mujahids love Cats & Cats love Mujahids“, schreibt zum Beispiel ein Kämpfer namens „Abu Jandal“ und zeigt Kameraden, die mit kleinen Kätzchen im Arm auf dem Nachtlager dahin dämmern, sie auf dem Schoß streicheln oder sie durch die Gegend tragen. Sogar der offizielle ISIS-Kanal auf Twitter veröffentlichte Bilder einer weißen Siamkatze, die sich unter einer Decke putzt. Und auch der Österreicher Mohamed Mahmoud alias Abu Usama al-Gharib nutzt für sein Twitter-Profil ein Hintergrundbild mit einer kleinen Katze, neben ihr zwei Handgranaten und eine Dose Pfefferspray. Andere Kämpfer fotografieren ihre Katzen mit Kalaschnikows, ziehen ihnen winzige Schutz- und Magazinwesten an oder lichten sie ab, während sie auf Leichen getöteter Gegner liegen.

Der Grund für die häufige Darstellung von Katzen durch die ISIS-Kämpfer ist im Koran zu finden, den die ISIS wortwörtlich auszulegen versuchen. Im Koran spielen die Katzen eine wichtige Rolle für Mohammed. Sie stehen für besondere Reinheit und werden besonders geliebt. Überliefert ist beispielsweise, wie Mohammed zum Gebet gerufen wurde, aber ein kleines Kätzchen in seinen Armen schlief. Um das schlafende Tier nicht zu wecken, schnitt er seinen Ärmel vom Gewand ab, sodass es ungestört weiterschlafen konnte. In den Schriften zur Himmelfahrt Mohammeds wird berichtet, wie der Prophet die Bestrafung einer Frau in der Hölle mitverfolgte. Als er fragte, warum die Frau bestraft wurde, bekam er die Antwort, sie habe eine Katze gefangen gehalten und sie hungern lassen. Die Botschaft dieses Ereignisses: „Wer Tiere quält muss im Jenseits für diese Sünden büßen.“

Das Quälen von Menschen scheint für die selbsternannten Gotteskrieger dagegen kein Problem zu sein. Männer, Frauen und Kinder, die vermeintliche Feinde des Islams darstellen, werden in Syrien und Irak gejagt, gefoltert und getötet. Vermutlich danach holen sich die Täter für ihre Schuldgefühle Trost bei den Kätzchen ab.