Samstag, 7. Februar 2015

Getöteter ISIS-Kämpfer Usman A. alias Abu Jandal al-Almani: "Baue eine Bombe in Mamas Küche"


Anfang Januar verbreitete die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) die Meldung über den Tod eines Deutsch-Pakistaners in Irak. „Abu Jandal al-Almani“ sei in der Schlacht mit der irakischen Armee um die strategisch wichtige Stadt Baiji getötet worden. Dort steht die größte Ölraffinerie des Landes. Usman A. alias Abu Jandal wurde von vielen Kämpfern und Anhängern des IS gewürdigt. Millatu Ibrahim-Gründer Mohamed Mahmoud alias Abu Usama al-Gharib erinnerte an seinen „geliebten Bruder“. Möglicherweise gehörte Abu Jandal zu seinem Team „Medienfront für den Sieg des Islamischen Staates“, eine Art ISIS-Nachrichtenagentur, die auf Twitter und Facebook islamistische Propaganda verbreitet. Der Getötete soll auch im Irak mit der Kamera Kämpfe aufgenommen haben.

Usman A., der nach Angaben des Verfassungsschutzes Baden-Württemberg viele Jahre in Mannheim lebte, war auch unter deutschen Salafisten sehr beliebt. So soll der Mann jahrelang den Youtube-Kanal „Shababul Islam Media“ betrieben und dutzende Videos mit Reden von Terror-Anführern hochgeladen haben. Vor allem schätzen ihn seine ehemaligen Mitstreiter für seine Videos mit Übersetzungen des jemenitischen al-Qaida-Anführers Shaykh Anwar al-Awlaki, der durch die CIA im Jahr 2011 mithilfe eines Drohnenschlags getötet wurde. Seine intellektuell hochgestochenen Reden faszinierten Muslime auf der ganzen Welt. Aber auch Videos über den syrischen Bürgerkrieg lassen sich auf dem Kanal finden. Es sind vor allem sektiererische Darstellungen, bei denen die „Ungläubigen“ ins Fadenkreuz geraten. Ein Video zeigt fanatisch tanzende Menschen, „syrische Alawiten“, die ihren Führer Bashar al-Assad feiern. Ein Mann soll - laut Untertitel im Video - behaupten, dass Assad mächtiger und größer sei als Allah. Koranverse, die im Anschluss eingeblendet werden, fordern unzweideutig zur Bestrafung der religiösen Minderheit in Syrien auf.

Offenbar waren A. und seine Mitstreiter auch für die Herstellung eines Handbuchs zum Bombenbau verantwortlich. Mit dem Titel „Baue eine Bombe in Mamas Küche“, mit dem auch Christian Emde und Robert Baum in England erwischt worden waren, wird auf elf Seiten dargestellt, wie man abseits von staatlicher Kontrolle mithilfe von einfachen Komponenten wie Eisenrohren, Zucker sowie den beiden aus Streichhölzern gewonnen Reaktionsstoffen Tetraphosphortrisulfid und Kaliumchlorat   hochexplosive Apparate basteln könne. „Die Juden und Christen haben die Muslime entehrt, unsere heiligen Orte entweiht und und den geliebten Propheten verflucht“, begründete der als Autor bezeichnete "Terroristen Chefkoch" die Angriffe auf die „Kuffar“. „Die westlichen Regierungen von heute führen einen unerbittlichen Krieg gegen den Islam.“ Die Attentate von Nidal Hassan, Arid Uka und Faysal Shahzad seien daher Vorbilder für die „Ummah“, um mit weiteren Attacken vielleicht auch westliche Spitzenpolitiker wie den US-Präsidenten zum Rücktritt zu zwingen.

"Märtyrer" Abu Jandal
Möglicherweise gehörte Usman A. dem salafistischen Lager um Pierre Vogel, Abou Nagie und Abu Abdullah im Rhein-Main-Gebiet an. Ältere Videoaufnahmen, veröffentlicht durch die islamistische Plattform „The Message“ bzw. „Al Risalah“, zeigen den Mann mit dem traditionellen Imamah und dem schwarzen Bart mehrere Male  bei den Anti-Karikaturen-Protesten im Mai 2012 in Bonn, an denen ebenfalls dutzende der heute für ISIS kämpfenden Salafisten teilnahmen. Der Deutsch-Pakistaner, der schon damals durch seinen fanatischen Blick und dem Grimassen-reichen Mienenspiel auffiel, hörte auch den Reden Abu Abdullahs zu, der bei den damaligen Protesten gegen Pro-NRW eine Führungsrolle einnahm.
Nach Angaben des Verfassungsschutzes, der A. offenbar auch elektronisch überwachte, bewegte sich der Deutsch-Pakistaner lange Zeit im radikalen Milieu der Mannheimer Salafisten und beteiligte sich dort auch am "Lies"-Projekt. Später zog A. nach Solingen und könnte sich dann vor allem im Kreise von ehemaligen Millatu Ibrahim-Jüngern bewegt haben, worauf die öffentliche Trauer Mohamed Mahmouds hinweist.

Bevor A. in den nahen Osten reiste, hatten ihm die Behörden den Reisepass abgenommen. Dies hinderte den jungen Mann jedoch nicht daran, sich dem Djihad anzuschließen. Im Dezember 2014 soll A. seinem Freund, dem bekannten ISIS-Bewunderer Erhan Aydeniz, über "WhatsApp" noch eine Nachricht geschrieben haben. Im Januar dann fiel er im Kampf.