Samstag, 12. Juli 2014

US-gestützte Rebellengruppe "Harakat Hazm" schließt sich islamistischen Kämpfern an

Erklärung führender Rebellengruppen in Nordsyrien.
Die von den USA und den Golfstaaten protegierte Rebellengruppe "Harakat Hazm" hat sich in Aleppo radikal-islamistischen Gruppen angeschlossen. In einem am 8. Juli veröffentlichten Papier auf "Twitter" wird die Gründung einer 600 Mann starken "Elite-Truppe" bekannt gegeben, die sich aus den führenden syrischen Rebellengruppen zusammensetzen soll. Unter diesen Truppenkontingente stellenden Gruppen werden die al-Qaida nahe stehende al-Nusra Front, die ebenfalls radikal-islamistische Suqour al-Sham Brigade sowie weitere islamistische Gruppierungen genannt und eben auch die "Harakat Hazm"-Gruppe. Bisher war die Rebellengruppe vor allem wegen ihrer hierarchischen und intakten Kommandostrukturen von westlichen Beobachtern präferiert worden.
Emblem der "Harakat Hazm"
Die Rebellengruppe Harakat Hazm tauchte erst im Januar dieses Jahres in der Provinz Daraa und Idlib auf, als Zusammenschluss mehrerer Rebellengruppierungen. Relativ schnell war klar, dass die exzellent ausgerüstete Truppe möglicherweise eine Kreation amerikanischer Geheimdienste sein könnte. Denn in ihrem Equipment tauchten erstmals Hightechwaffen aus den USA auf. Mit TOW-Panzerabwehrraketen gelang es der Gruppierung den syrischen Regierungstruppen schwere Verluste zuzufügen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde die relativ kleine Truppe in Jordanien und der Türkei in geheimen Ausbildungscamps durch den amerikanischen und den türkischen Geheimdienst ausgebildet und mit den Waffen ausgerüstet. Im April dieses Jahres schlug ein Analyst der rechtskonservativen US-Denkfabrik "The Washington Institute" eine weitreichende Bewaffung der als "moderaten" und "sekular orientierten" bezeichneten Gruppe vor.

Nur wenn die USA solche Gruppen massiv mit "lethaler" Ausrüstung aufwerte, könne nicht nur der syrische Präsident Assad gestürzt werden, sondern auch der Einfluss und die Interessen der US-Regierung und seiner Verbündeten in der Region in einer Nach-Assad-Ordnung gewahrt bleiben. Zudem könnten sich weitere "moderate" Rebellengruppen einer dominanten Hazm-Bewegung anschließen und somit das radikal-islamistische Lager schwächen. 
US-Panzerabwehrwaffen "TOW"
Bisher haben die USA auf die Lieferung von Luftabwehrraketen an die Hazm-Bewegung verzichtet, jedoch fluteten sie die Provinzen Daraa, Idlib und Aleppo mit den hochmodernen Panzerabwehrraketen TOW sowie Grad-Raketen. Auch gibt es Berichte, dass Rebellengruppen im Qualamoun-Gebirge an der syrisch-libanesischen Grenze solche Waffen erhalten haben.

Dass sich die von den USA bewaffnete Gruppierung nun angesichts erdrückender Übermacht der syrischen Regierungstruppen mit al-Qaida, also zurecht auch als "Terroristen" zu benennende islamistische Gruppen, zusammenschließt, zeigt, wie aussichtslos eine effektive Kontrolle der mit westlichen Waffen ausgerüsteten Rebellengruppen ist. Die Gruppen kämpfen buchstäblich Schulter an Schulter, sodass eine Weitergabe dieser Waffen überhaupt nicht verhindert werden kann. Dass mit hoher Wahrscheinlichkeit die IS (ehemals ISIS) TOW-Waffen erhalten hat, zeigt nicht zuletzt das massenweise Überlaufen von al-Nusra-Kämpfern zu der extremistischen Terrorgruppe. Wie die libanesische Zeitung "Al-Akhbar" zudem neuerdings berichtete, liefen Tausende Kämpfer der gut ausgerüsteten "Dawud Brigade" (islamische Front), die auch mit der Hazm-Gruppe in Idlib kämpfte, zu den IS-Kämpfern über, sodass auch hierbei die Wahrscheinlichkeit der Weitergabe von US-Waffen an terroristische Organisationen sehr hoch ist.

Mittlerweile ist aber auch der amerikanischen Regierung diese Problematik zumindest bewusst geworden. So zitierten US-Zeitungen einen hohen Regierungsbeamten, der von heftigen internen Kämpfen zwischen den Präsidentenberatern berichte. So unterstütze das eine Lager eine umfangreiche Bewaffnung der Rebellen und setze damit auf einen Sturz Assads. Das andere Lager sehe vor allem in der ISIS die Hauptbedrohung für die Nahost-Region und präferiere daher sogar eine 180°-Kehrtwende: Man solle das Bündnis mit Präsident Bashar al-Assad suchen, um die Terroristen effektiv zu bekämpfen. Noch scheint unklar zu sein, welche Seite in der US-Regierung den Machtkampf für sich entscheiden konnte. Die Regierung hat aber nicht mehr viel Zeit, die Entscheidung hinaus zu schieben, denn sowohl die syrische Armee als auch die ISIS sind auf dem Vormarsch.

Edit:
Kurz nach der Veröffentlichung dieses Berichts in englischer Sprache auf Twitter folgte eine Reaktion. In einem Statement vom 13. Juli bestreitet die al-Nusra Front eine Zusammenarbeit mit Harakat Hazm. Vermutlich versucht die Gruppe damit, mögliche US-Bedenken über die Kontrolle von gelieferten Waffen, zu zerstreuen. Zu stark hängt die Gruppe von den gut ausgerüsteten "Moderaten" ab. Die Belege sind aber eindeutig: Harakat Hazm und die terroristische al-Nusra-Front kämpfen gemeinsam gegen die syrische Regierung. Damit ist es mitunter höchst wahrscheinlich, dass die von den USA als Terrororganisation eingestufte Qaida-Gruppe (un-)mittelbar mit amerikanischen Waffen kämpft.